Samstag, 11.Februar 2012

Demenz als Sabotage

Am Frühstückstisch gerät der Tag zum ersten Mal ins Stocken. Die alte Frau hat vergessen, was es mit dem Stückchen Butter auf sich hat, das sie zwischen Zeigefinger und Daumen hält. Erstaunt betrachtet sie es, bis der alte Mann, der ihr gegenübersitzt, auf den Teller deutet und ihr hilft, die Butter mit dem Messer auf dem aufgeschnittenen Brötchen zu verteilen. Als sie genussvoll den ersten Bissen nimmt, blinzelt sie ihn dankbar an. Doch der zarte Moment ist nur von kurzer Dauer. Die Frau hält inne, wendet den Blick ab und starrt leer aus dem Fenster. Ängstlich beobachtet der Mann die Frau, mit der er die längste Zeit seines Lebens verbracht hat: "Er hoffte, dass sie sich nicht jetzt, am Tisch, beim Frühstück, während des Essens einkotete. Daran konnte er sich einfach nicht gewöhnen."
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Damit ist der Rahmen abgesteckt: Péter Farkas erzählt in dem Roman "Acht Minuten" von einem älteren Ehepaar, dessen Alltag durch eine Demenzerkrankung bestimmt ist.
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Interessant ist, dass Farkas anders als andere Autoren bewusst auf eine verlässliche, vermeintlich "gesunde" Außenperspektive verzichtet. Sein Erzähler leidet ebenfalls unter ersten Anzeichen einer Demenz. Die Erinnerungen an das Leben als Akademiker, das er offenbar einst geführt hat, haben sich fast vollständig in Luft aufgelöst. Er ahnt, dass er genau wie seine Frau, die er täglich wäscht, anzieht und füttert, eines Tages ebenfalls sein Kurzzeitgedächtnis verlieren wird - und diesem Moment, in dem das Ich zerbricht, "wie eine Skulptur aus Sand", sieht er gerade erwartungsvoll entgegen.
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Eine der schönsten Stellen in dem Buch ist die, als zwei der "selbsternannten Aufseher" die Möbel in der Wohnung des Ehepaares umstellen, um vermeintlich einfachere, sicherere Wege zu schaffen - und dabei auch gleich die Betten an zwei gegenüberliegende Wände des Schlafzimmers rücken. In der folgenden Nacht wacht der Mann auf. "Schwankend, mit geschlossenen Augen" durchquert seine Frau das Zimmer, ihre Decke hinter sich herziehend, suchend und tastend, bis sie schließlich an seinem Bett angekommen ist, sich neben ihm auf die viel zu schmale Matratze legt und sich an ihn schmiegt. So wird die Liebe in Zeiten der staatlichen Pflegeversicherung noch einmal zum Akt der Rebellion: Péter Farkas hat einen berührenden und zugleich kämpferischen Roman über zwei Menschen geschrieben, die mit ihren "hutzligen Körpern" und ihrem "selbstvergessenen Glück" jenem gesellschaftlichen Normativ den Kampf ansagen, in dem das Alter insgesamt als chronische Krankheit erscheint.

KOLJA MENSING in der FAZ vom 09.02.2012 über das Buch "Acht Minuten" von Péter Farkas.

20:53 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 11.Februar 2012 20:59)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Wozu lesen?

Unsere kulturelle Existenz verändert sich: Die seit langem angekündigte "visuelle Wende" findet gerade statt, vor allem dank der tragbaren Bildschirme. Erst mobile Bilder können die Menschen so recht einhüllen, ihre Sinnes- und Denkgewohnheiten verändern - ein flimmernder Kokon, der sich um uns legt, ob zu Tisch, im Zug oder im Bett. Im Licht technischer Evolution werden alte Medien neu betrachtet: In dem Moment, in dem das iPad seinen Siegeszug antritt, wird das Buch wortreich verabschiedet oder nostalgisch beschworen. Das gilt auch für die Kulturtechniken, die sich mit diesen Medien herausgebildet haben. Charles Dantzig wendet sich der ehrwürdigsten jener Techniken zu und stellt die Sinnfrage: "Wozu lesen?" So der Titel seines schönen Bandes, der gleich Dutzende Antworten gibt. Er bietet eine beiläufig-geistreiche Verteidigung des Schmökerns und ist - wie könnte es anders sein - eine anregende Lektüre.
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"Wozu lesen?" präsentiert Dantzig von seiner besten Seite: eine Gelegenheit für den deutschen Leser, sich mit einem Essayisten bekannt zu machen, der in seiner Jugend in einen Kessel mit Esprit gefallen sein muss.
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Aus geistigen Volten und maliziösem Frohsinn kristallisiert sich das Bild eines anspruchsvollen Anarchisten heraus: "Lektüre ist unvernünftig. Es gibt weitaus wichtigere Dinge, sagen die wichtigen Leute. Das stimmt. Und mit diesem Wissen lesen wir leise pfeifend weiter in den Büchern, die uns um eitlen Ruhm und nichtigen Reichtum bringen." Lesen hat andere Vorzüge: Es macht frei, es schafft "Unempfindlichkeit gegenüber den Dingen des Lebens". In Anlehnung an Prousts Erinnerungsmotiv setzt Dantzig die Lektüre als Ideal: "Lesen ist dieser Moment der Ewigkeit, den ein paar Einzelgänger miteinander teilen in einem immateriellen und etwas bizarren Raum, nämlich im Geiste." Hierin liegt sein Verdienst: Dantzig beschwört die Attraktivität einer diskreten Kulturerfahrung, ihre Leidenschaft, ihre Flüchtigkeit, ihre befreiende Wirkung.

NIKLAS BENDER in der FAZ vom 31.01.2012 über das Buch "Wozu lesen?" von Charles Dantzig.

20:45 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 11.Februar 2012 21:00)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Sonntag, 29.Januar 2012

Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft

Nico Bleutge hat Gyrdir Eliassons jüngsten Gedichtband und seinen gerade auf Deutsch erschienenen Roman "Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft" gelesen und findet in beiden Büchern die gleiche Sinnlichkeit und gleitende Verbindung von Traumwelt und Realität. Im Roman, der 1987 im Original herauskam, verwandelt sich ein Junge in ein Eichhörnchen und durchlebt seine Ängste und Fantasien aus der Perspektive eines Tieres, erklärt der Rezensent. Die Märchen- und Traumelemente verbinden Eliasson mit großem Geschick mit der erzählten Realität, stellt der Rezensent eingenommen fest. Für ihn manifestieren sich in der Erzählweise des isländischen Autors "romantische Ideen", die er hier fortgeführt sieht. Mit der Übersetzung ins Deutsche durch Gert Kreutzer zeigt sich Bleutge zufrieden, weil er darin einen "eingängigen Ton" vernimmt, der in seinen Augen von solider Übersetzungsleistung zeugt.

Nico Bleutge in der SZ (Perlentaucher) vom 11.10.2011 über das Buch "Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft" von Gyrdir Eliasson.

11:16 Uhr (Letzte Änderung: Sonntag, 29.Januar 2012 11:19)
Kategorien: Literatur, Psychologie

Sehnsucht

Ein "getriebener Reisender in Sachen Literatur" wurde Herman Bang genannt,
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Bangs Leben ist von Verlusten geprägt.
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Tine ist eine typische Bang-Figur: sensibel, einsam, voll Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Ihr steht eine vollkommen verständnislose Gesellschaft gegenüber, die solchen Menschen die Daseinsberechtigung verweigert.
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Zwar wurde der exzentrische Dichter schnell zum Inbegriff des blasierten, herausfordernden Dandys - aufden Fotos und Karikaturen in Lothar Müllers Überblick über Bangs Leben (der zum ersten Kennenlernen gut geeignet ist) können wir das studieren. Doch aus Sodom kam er nicht, noch weniger hat er Sodomitisches beschrieben. Bei kaum einem anderen Schriftsteller gibt es diese flirrende Melancholie, diese nervöse Atmosphäre, diese unstillbare Sehnsucht nach menschlicher Anerkennung. Seine Helden waren Frauen, weil Frauen seine weibliche Seite eben am besten verkörperten.
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Sie haben ihre Idee von der Welt und vom Leben, sie haben ihre Sehnsucht, sie lassen nicht von ihr ab, aber diese Sehnsucht lässt auch nicht von ihnen ab. Sie sind in ihr gefangen. Es sind eigenwillige Frauen, aber nicht unbedingt starke, sie setzen ihren Willen ja nicht durch: Bangs Frauen nehmen sich das Leben wie Tine oder sterben an gebrochenem Herzen wie Katinka in "Am Weg". Gert Ueding nannte Herman Bang in dieser Zeitung einmal einen "Flaubert des Fin de Siècle".

PETER URBAN-HALLE in der FAZ vom 27.01.2012 über Herman Bang.

11:10 Uhr
Kategorien: Literatur, Psychologie

Montag, 16.Januar 2012

Lob der verbeulten Lebensläufe

Auf Wackwitz' eigenen Werdegang scheint Hegels schnaufender Realismus zuzutreffen: "Diese Kämpfe nun aber sind in der modernen Welt nichts Weiteres als die Lehrjahre, die Erziehung des Individuums an der vorhandenen Wirklichkeit." Doch das Ziel aller Bildung besteht für den Erzähler gerade in der Ziellosigkeit. So ist "Neue Menschen" zuletzt ein Trostbuch, ein Lob der verbeulten Lebensläufe. Der einzige, gleichsam spielerische Ausweg aus den Verführungen zur Teleologie besteht darin, die seit Augustinus in heiligem Eifer praktizierten Konversionen ausschließlich als performative Ereignisse zu zelebrieren, sie aus dem Leben in die Kunst zurückzuholen, ohne je zu einem Stillstand zu gelangen: "Wir machen weiter. Wir fangen immer noch einmal an (unsere Art von Romantik)."

OLIVER JUNGEN in der FAZ vom 21.11.2005 über das Buch "Neue Menschen" von Stephan Wackwitz.

21:31 Uhr
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Sonntag, 15.Januar 2012

Schulung

Die Vergesellschaftung durch Schulung, wie sie hierzulande geschieht, ist die Verdummung a priori, nach der kaum ein Lernen mehr Aussicht bietet, daß die Dinge irgendwann besser würden [...]. Im Grunde glaubt kein Mensch mehr, daß heutiges Lernen «Probleme» von morgen löst; fast sicher ist, daß es sie auslöst.

Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, aus der Zitate Sammlung von Andreas Tenzer.

21:24 Uhr (Letzte Änderung: Sonntag, 15.Januar 2012 21:33)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Samstag, 03.Dezember 2011

Vom Ende einer Geschichte

...wendet er sich hier der Frage zu, wie viel von unserer Erinnerung im Grunde Selbsttäuschung ist, wie viel Menschen voneinander wissen können und welche Verantwortung ihnen mit diesem Wissen übertragen wird.
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Was hier erzählt wird, ist das Kondensat eines Lebens, das ohne größere Amplituden geführt wurde und auf das sein Protagonist doch nur voll Reue, Wehmut und Scham zurückblicken kann.
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„Vom Ende einer Geschichte“ ist eine ergreifende philosophische Reflexion über die seelischen Schäden, die selbst der vorsichtigste Mensch erleidet und die wir uns wissentlich oder unwissentlich zufügen, und darüber, wie wir mit diesen Beschädigungen umgehen, uns ihnen stellen, sie zu heilen oder zu verdrängen suchen.
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„Es sollte uns doch klar sein, dass die Zeit nicht wie ein Fixativ wirkt, sondern wie ein Lösungsmittel.“

Felicitas von Lovenberg in der FAZ vom 02.12.2011 über das Buch "Vom Ende einer Geschichte" von Julian Barnes.

19:09 Uhr (Letzte Änderung: Sonntag, 04.Dezember 2011 11:01)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Samstag, 26.November 2011

Melancholie der Egomanie

Es kennt keinen Sieger, dieses über siebzehn Runden währende Ringen zwischen Instinkt und Selbstentwurf, Letzteres zu verstehen als radikale Ich-Autarkie, als Ausscheren aus der Horde, weshalb der Preis auch das Arrangement mit der Vereinzelung zu sein scheint. Bedrohlich jedenfalls dämmert hinter den Figurenschicksalen in diesem klugen, feinsinnigen, ungeheuer verdichteten Erzählband die Entgesellschaftung herauf („das Wippen der Köpfe, jeder in seinem iPod-Takt“).

OLIVER JUNGEN in der FAZ vom 05.11.2011 über das Buchvon Ulrike Draesner: „Richtig liegen“. Geschichten in Paaren. Luchterhand Verlag, München 2011.

17:13 Uhr
Kategorien: Literatur, Psychologie

Mittwoch, 23.November 2011

Trugbilder

Der Wunsch nach einem Trugbild ist immer auch eine Flucht vor den allzu aufdringlichen Originalen. So schnitzte Ovids Pygmalion seine berühmte Skulptur aus "Abscheu vor den Gebrechen, mit denen die Natur das weibliche Gemüt so überreich bedacht hat". Venus erhörte denn auch nicht seine Bitte nach einer Gefährtin, die dieser Elfenbeinstatuette ähnlich sehe, sondern verwandelte das Abwehrbild in eine Frau, die der Bildhauer ehelichen und die ihm einen Sohn gebären sollte.
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Wer, wie Ovids Pygmalion, das selbstverfertigte Püppchen heiratet, kann eine wirkliche Ehe führen und einen echten Sohn zeugen. Wer, wie Diderots Pygmalion, mit allen Sinnen von seinem Trugbild absorbiert ist, erfährt sich selbst und seine Welt auf neue Weise. Die Pygmalionik ist sicher keine Lehre vom geglückten Leben, umfasst aber eine vielfältige Topik zu dem Kunst und Leben so produktiv ineinander verflechtenden Vermögen der Selbsttäuschung. Die Geschichte der Trugbilder, die Stoichita anhand gelehrter und beobachtungsreicher Einzelinterpretationen aufspannt, liest sich auch deswegen mit großem Vergnügen, weil sie ganz unberührt ist vom überspannten Ton der Apologeten oder Apokalyptiker der Simulation. Sie erinnert uns vielmehr daran, wie geübt wir im Umgang mit Trugbildern sind.

Ralph Ubl in der FAZ vom 23.11.2011 über das Buch "Der Pygmalion-Effekt" von Victor I. Stoichita.

20:37 Uhr (Letzte Änderung: Donnerstag, 24.November 2011 21:00)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Für diejenigen, die poesiebegabt sind, ist Dichten gleichbedeutend mit Befreiung.

...erkennt die Aufklärungspsychiatrie im Melancholiker das Opfer einer von ihm selbst geschaffenen Wahnidee: Es ist diese Idee, die einem seelischen Fremdkörper gleich ein zerstörerisches Eigenleben führt und die es daher durch allerlei ärztliche Kunstgriffe und Überraschungseffekte auszuschalten gilt. Obwohl die therapeutischen Indikationen der Moderne endgültig mit den Theorien der "vorwissenschaftlichen" Epoche zu brechen scheinen, ortet Starobinski auch noch in ihnen Reste des älteren Substantialismus: "Die Psychiater geben von diesem Fremdkörper ein so konkretes, objektives, ,verdinglichtes' Bild, dass es Maßnahmen bedarf, die durchaus denjenigen ähneln, welche die Ärzte vergangener Zeiten gegen die schwarze Galle anwendeten."
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Die Geschichte der Melancholiebehandlung erweist sich somit als eine Aneinanderreihung von therapeutischen Rezepten, die auf irrationalen und spekulativen Substanzvorstellungen fußen. Die positivistische Entzauberung dieser Vorstellungen führt jedoch nicht, im Sinne einer Fortschrittsgeschichte, zur Beherrschung der Krankheit mit exakten wissenschaftlichen Methoden: Angesichts der fortdauernden Unzugänglichkeit der an Depressionen leidenden Menschen kann sich die Medizin letztlich nur mit der Rolle bescheiden, ihnen einen "Hilfsdienst" anzubieten.
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Wenn Starobinski etwa schreibt "pour ceux qui ont le don de poésie, la délivrance est poésie", übersetzt Oeschger weniger elegant, aber durchaus sinngemäß: "Für diejenigen, die poesiebegabt sind, ist Dichten gleichbedeutend mit Befreiung." In der neuen Version wird daraus: "Für die Mit-Poesie-Begabten ist Erleichterung Dichtung." Man kann nur hoffen, dass weitere Neuausgaben von Starobinskis medizinhistorischen Arbeiten in besseren Händen liegen werden.

Andreas Mayer in der FAZ vom 23.11.2011 über Jean Starobinskis "Geschichte der Melancholiebehandlung".

20:27 Uhr (Letzte Änderung: Donnerstag, 24.November 2011 21:06)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Donnerstag, 10.November 2011

Gerechtfertigt zu sein, das war einmal das Wichtigste.

Die Universität Harvard hat Martin Walser eingeladen, eine Rede zum 9. November zu halten. Die Ansprache des Schriftstellers zielt ins Zentrum seines Selbstverständnisses.

Martin Walser in der FAZ vom 10.11.2011.

20:59 Uhr (Letzte Änderung: Donnerstag, 24.November 2011 21:06)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Freitag, 28.Oktober 2011

Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben.

Bastei Lübbe hat dem Frankfurter Eichborn-Verlag ein Kaufangebot unterbreitet. Beide Seiten sind euphorisch, obwohl aus der Fliege eine klitzekleine Mücke zu werden scheint.
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Auch Stefan Lübbe freut sich über den möglichen Zuwachs aus Frankfurt, findet er doch, dass Lübbe und Eichborn gut zusammenpassten - „weil wir ähnliche Verlagsphilosophien haben“.
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Bei wichtigen Entscheidungen, erzählte Stefan Lübbe einmal, verlasse er sich auf sein Bauchgefühl. Mit Eichborns Herbstprogramm verleibt er sich nun Welterklärungsbücher ein wie Katja Kullmanns Essay „Echtleben“, der Aufklärung in der Frage verspricht, „warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben“.

Sandra Kegel in der FAZ vom 26.10.2011.

Nils Minkmar in der FAZ vom 23.06.2011 über das Buch "Echtleben" von Katja Kullmann.

21:12 Uhr (Letzte Änderung: Freitag, 28.Oktober 2011 21:23)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Freitag, 16.September 2011

Ich will nur noch das machen, was ich kann.

„Das Spiel mit der Sprache und den Figuren, die ich bin“, sagt Semi, sein Alter Ego, nachdem er in der Theater-AG des Internats seine Aggressionen dämpfen gelernt hat, „schützt mich davor, zu morden.“
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Das Theater, ..., ist der Abtritt, wo ich meine kleinbäuerlichen Komplexe als Realität verkaufe und dafür gefeiert werde.
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Nur beim Hadern erinnert sich Pankraz noch an die Blankverse von Hölderlin und Shakespeare: „Verfluchtes Erbe, schreit er, verfluchter Zwang. Ich will der Knecht nicht sein von diesem alten Krempel, den ihr verfluchten Ahnen hier gebündelt habt. Ich hasse dieses Haus und diesen Heimatkram. Ich will heraus, heraus aus allem, was ich muss. Ich will nur noch das machen, was ich kann.“

Martin Halter in der FAZ vom 16.11.2011 über das Buch „Mittelreich“ von Josef Bierbichler.

20:21 Uhr
Kategorien: Literatur, Psychologie

Samstag, 03.September 2011

Schöpferischer Nihilismus

"Schöpferischen Nihilismus, völlige Misanthropie", aber eben auch "aggressives Mitleid" hat er als Grundzüge seines Weltbilds bezeichnet.
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Besonders die Weigerung des Autors, klar in Gut und Böse, Opfer und Täter zu unterscheiden und vielmehr auf den allem zugrunde liegenden menschlichen "Sadismus" zu bestehen, scheint Schneider von diesem Roman zu überzeugen.

Wolfgang Schneider in der FAZ vom 01.09.2011 über das Buch "Das heile Haus" von Willem Frederik Hermans. Auszüge der Besprechung bei perlentaucher.de.

15:44 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 03.September 2011 15:49)
Kategorien: Literatur, Psychologie

Dienstag, 23.August 2011

dirty realism

Von geheimen Sehnsüchten, Tagträumen und Selbsttäuschung erzählt Tobias Wolff in seinen neuen Storys, von Einzelgängern und Eigenbrötlern, von notorischen Lügnern, missratenen Söhnen und missgünstigen Nachbarn. Die Weisheit eines ganzen Lebens und tiefe Menschenkenntnis sprechen aus diesen Erzählungen.

"Unsere Geschichte beginnt" von Tobias Wolff im Berlin Verlag

11:00 Uhr
Kategorien: Literatur, Psychologie

Samstag, 23.Juli 2011

Ironie

Wie der amerikanische Kulturkritiker und Journalist David Denby und der Historiker Arthur Marvick darlegten, waren die frühen sechziger Jahre der letzte, wirklich »ernsthafte« Moment in der amerikanischen Kultur. Während sich mit dem beginnenden globalen Kulturaustausch, vor allem mit Europa, und mit der Blüte von künstlerischen und politischen Subkulturen in New York und anderswo - von revolutionären Entwicklungen in der Kunstwelt über experimentelle Theatergruppen, architektonische Think Tanks bis zum Beginn erster feministischer und Civil-Rights-Bewegungen Amerikas kulturelle Landschaft radikal veränderte, sich die Zirkulation von Ideen beschleunigte und so der mediale Bedarf an Neuem und Spektakulärem radikal anstieg, war zu diesem Zeitpunkt doch die Populärkultur noch nicht allumfassend inthronisiert, regierte das Fernsehen noch nicht den Alltag der amerikanischen Haushalte, war die amerikanische Gesellschaft noch nicht kollektiv mit den Auswirkungen des Vietnam-Kriegs beschäftigt. Entertainment-Konglomerate hatten noch keine Kontrolle über die Massenkultur.
Ironie war ein Modus der Aggression, der die Wissenden vom Rest der Gesellschaft trennte, und noch kein Begleitgeräusch der medialen Bildüberschwemmung.

Daniel Schreiber in dem Buch "Susan Sontag - Geist und Glamour", erschienen im Aufbau Verlag.

17:53 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 23.Juli 2011 17:56)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Politik, Psychologie

Freitag, 08.Juli 2011

Shane Drinion

In David Foster Wallaces Romanfragment „The Pale King“, das im April im amerikanischen Verlag Little, Brown erschien, gibt es eine Figur, die sich, wenn alles mit rechten Dingen zuginge, als neue archetypische Figur in die Weltliteratur einfügen müsste.
...
Aber diese Figur wird wahrscheinlich übersehen werden, Shane Drinion wird sich zu den anderen Bewohnern des Romans gesellen. Denn er fügt sich mühelos unter seinen Gefährten ein, die ja alle in gewisser Hinsicht dasselbe Problem haben: Langeweile.
...
Während des Gesprächs beginnt Drinion leicht zu schweben. Das passiert ihm immer, wenn er vollkommen „immersed“, also versunken ist, es ist ihm gar nicht bewusst.
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Sein Shane Drinion ist eine Art Anti-Bartleby. Melvilles Jahrhundertfigur verhält sich zur Welt vor allem durch ihre berühmt gewordene Zauberformel „I would prefer not to“. Mit seinem „Ich möchte lieber nicht“ schält der Kanzleischreiber Bartleby sich langsam aus der Welt heraus, bis er in planetarer Abgeschiedenheit und Nacktheit irgendwo in einem völlig unwichtigen Eck des Universums seine letzten Tage verbringt. Shane Drinions Zauberformel dagegen könnte lauten: „Is there some extra information I need to understand this?“, also: „Benötige ich noch irgendeine zusätzliche Information, um das hier zu verstehen?“
...
Nein, es ist tatsächlich der Zustand eines voll ausgelasteten Bewusstseins, Aufmerksamkeit und Sinn. Mehr geht tatsächlich nicht? Schrecklich: zu sehen, wozu man auf Erden als menschliches Ding verdammt ist.

Der Schriftsteller Clemens J. Setz über „The Pale King“ von David Foster Wallace in der FAZ vom 08.07.2011

20:01 Uhr
Kategorien: Literatur, Psychologie

Donnerstag, 07.Juli 2011

Das Cafe

Deshalb hat er als einzige Spezies dieser Erde das Café erfunden, das menschliche Substitut für das In-den-Bäumen-Hängen oder Auf-der-Weide-Liegen, Labsal der Zivilisation, eine Erfindung, die Gehrer angesichts seiner körperlichen Erschöpfung an diesem ersten Tag gerne in Anspruch nimmt. (Es ist erschreckend provisorisch, was uns vom Tier unterscheidet...)

Rolf Dobelli in seinem Roman "Und was machen Sie beruflich?".

19:10 Uhr (Letzte Änderung: Freitag, 08.Juli 2011 20:03)
Kategorien: Allgemein, Literatur, Psychologie

Samstag, 11.Juni 2011

Bequemlichkeit und Sehnsucht

Man kann Reisen, um anzukommen. Man kann aber auch Reisen, um wieder heimzukommen.
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Das Fragezeichen ist für Cees Nooteboom das Zeichen des Reisenden. Jeder Reisende weiß, dass das Fragezeichen kein Widerhaken in der Seele des Heimkehrenden ist, nicht das schmerzliche Symbol des Scheiterns, sondern im Gegenteil die Garantie für einen neuen Aufbruch in die Welt. Denn käme man mit lauter Antworten statt Fragen zurück, mit letzten Erkenntnissen statt der Sehnsucht des ersten Mals, hätte man irgendwann keinen Grund mehr zu reisen. Und das ist nicht nur für Cees Nooteboom der größte denkbare Schrecken.
...
Nooteboom bleibt sich im „Schiffstagebuch“ treu. Sein Mantra lautet Selbstbeschränkung: „Die Welt gehört den anderen, du darfst sie dir ansehen, um sie besser zu verstehen – oder um dich selbst besser zu verstehen –, aber du kannst diese Welt nicht werden.“ Er ist kein Grübler auf Reisen, kein faustischer Intellektueller, der die inneren Zusammenhänge der Welt erkennen will. Das wäre für ihn anmaßend. Lieber relativiert er seine Betrachtungen immer wieder, indem er von sich selbst sagt, dass er immer ein Besucher auf Durchreise sei, denn „stets bleibt das unbekannt, was du gerade betrachtest“. So beschränkt er sich auf die Beschreibung des Fremden, die immer präzise, geschliffen, scharfsinnig und elegant, aber eben auch etwas flüchtig und anekdotisch ist.

Jakob Strobel y Serra in der FAZ vom 10.06.2011 über das Buch "Schiffstagebuch" von Cees Nooteboom.

16:48 Uhr
Kategorien: Literatur, Psychologie

Samstag, 04.Juni 2011

Himmelreich

Nicht schon wieder eine dieser Geschichten, ein Mann und eine jüngere Frau, und die einzige Herausforderung, die darin besteht, das Ganze mit Anstand rückgängig zu machen. - Doch diese Geschichte verläuft anders. Überraschend anders.

Die Versetzung nach New York kam wie gerufen: Philipp Himmelreich konnte mit einem Streich seine Ehe retten und sich der leidenschaftlichen Affäre mit der jüngeren Buchhändlerin Josephine entziehen. Im Flugzeug, auf 30000 Fuß Höhe, gewinnt er endlich wieder einen klaren Kopf. Und gibt sich noch ein letztes Mal all diesen schönen Phantasien hin. Ich denke sie, weil ich es mir leisten kann – weil keine Gefahr besteht, dass die Geschichte mit Josephine je weitergehen wird –, denkt Himmelreich jedenfalls. Er schwelgt in der romantischen Vorstellung, wie er, statt nach New York zu reisen, am Flughafen Zürich entführt wird, von Josephine. Wie er als Geisel mit ihr in einem alten VW-Bus quer durch Europa reisen, wochenlang über den Atlantik in die Neue Welt segeln muss – und wie er sich allmählich in das Gegenteil seiner selbst verwandelt. Seine Existenz in New York scheint davon unbehelligt, seine Erfolge als Banker, das Leben mit seiner Frau Anna, die zu ihm zurückgefunden hat. Dann aus heiterem Himmel eine Vorladung vom FBI: Josephine wurde als vermisst gemeldet – und man habe zwingende Indizien, dass Himmelreich sie entführte. Plötzlich übernimmt die Phantasie und beginnt, sein Leben auf verblüffende Weise umzukrempeln. Eine virtuose Geschichte, scharfsinnig und poetisch.

Aus dem Roman "Himmelreich" von Rolf Dobelli im Diogenes Verlag.

16:35 Uhr
Kategorien: Literatur

Strada dello Studienrat

Gernhardt verspürt ein Abgrenzungsbedürfnis. Aber er gibt ihm nicht nach, indem er aufzählt, was ihn, den Veteranen, von den Neuankömmlingen unterscheidet, sondern er geht ihm auf den Grund, indem er die Gemeinsamkeiten benennt: „Es sind nicht ganz meine Kreise, doch meinen Kreisen nahe Kreise. Unsere Werte – Entdecken, Exclusivität, Simplizität – decken sich zum Teil, das entwertet meine Werte. Der Spiegeleffekt: So sehen mich die anderen möglicherweise ebenfalls. Die Feindseligkeit, die ich ihnen gegenüber empfinde, ist gegen mich selber gerichtet (auch) . . . Fazit: Richtig hassen kann man nur, was man kennt.“ Dann aber wechselt der Gedankengang unvermittelt in die Sphären der künstlerischen Produktion: „In alldem, was ich satirisch packen kann, steckt etwas von mir.“ Vier Jahre nach dieser Szene erscheint das Theaterstück mit dem geradezu sprichwörtlich gewordenen Titel: „Die Toscana-Therapie“.

Hubert Spiegel in der FAZ vom 03.06.2011 über das Buch „Toscana Mia“ von Robert Gernhardt.

16:28 Uhr
Kategorien: Literatur, Psychologie

Samstag, 28.Mai 2011

Das unperfekte, menschliche Selbst

In einer kürzlich erschienen Ausgabe des „New Yorker“ hat der Schriftsteller Jonathan Franzen einen Essay veröffentlicht, der eine bedrückende, sprachlos machende Auseinandersetzung mit dem Selbstmord seines Freundes, des amerikanischen Schriftstellers David Foster Wallace, ist.
...
Das Verstörende an seiner Existenz, so schreibt Franzen in dem Essay, sei der Umstand gewesen, dass Wallace den Narzissmus aus seinen Texten (“Everything and More“) zur eigenen Lebensmaxime stilisierte. David Foster Wallace habe in einem unstillbaren Drang nach Perfektion aufgehört, an sein unperfektes, menschliches Selbst zu glauben.
Der Rat, den uns Jonathan Franzen an die Hand gibt, ist zugleich ein Plädoyer für den Zauber unlösbarer Komplikationen, für alle Schwächen, Unvollständigkeiten und Lücken, die wir im täglichen Umgang mit uns selbst erfahren müssen. Wer dies zu akzeptieren lernt, kann Freiheit in ihren Grenzen gestalten und so mit Bescheidenheit der existentiellen Leere entgegenwirken. Und was der Schriftsteller da behauptet, bestätigen jetzt Soziologen mit fundierten Analysen.

Tomasz Kurianowicz rezensiert das Buch "Kreation und Depression" in der FAZ vom 23.05.2011.

16:09 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 04.Juni 2011 16:30)
Kategorien: Literatur, Psychologie

Sonntag, 17.April 2011

Flachland

Flachland stellt die Relativität der Wirklichkeit schlechthin dar, und aus diesem Grunde möchte man wünschen, dass das Buch von jungen Menschen gelesen werde. Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass es kaum eine mörderischere, despotischere Idee gibt als den Wahn einer "wirklichen" Wirklichkeit (womit natürlich die eigene Sicht gemeint ist), mit all den schrecklichen Folgen, die sich aus dieser wahnhaften Grundannahme dann streng logisch ableiten lassen. Die Fähigkeit, mit relativen Wahrheiten zu leben, mit Fragen, auf die es keine Antworten gibt, mit dem Wissen, nichts zu wissen, und mit den paradoxen Ungewissheiten der Existenz, dürfte dagegen das Wesen menschlicher Reife und der daraus folgenden Toleranz für andere sein.

Auszug aus dem Buch "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" von Paul Watzlawick zu der Geschichte "Flachland" von Edwin A. Abbot.

15:43 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 30.April 2011 15:59)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Freitag, 15.April 2011

Die große Verschwendung

Doch dahinter entdeckt er das Drama eines Mannes, der von sich und der Welt angeekelt, noch einmal von einer großen Selbstverschwendung träumt und sich dadurch ruiniert.
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Aber zuerst und vor allem ist Schömels Roman das Drama eines Mannes, der von einer letzten romantischen Selbstverschwendung träumt, der Amour fou, die alles Geschwafel und alle Schattenbilder von Politik und Medien, Internetpornographie und Eventkultur über den Haufen wirft. Emotional ausgedorrt und intellektuell ausgekühlt von seinem Welt- und Selbstekel, will Glabrecht noch einmal Feuer fangen und Wärme abgreifen und verbrennt sich dabei vollends. Der letzte Strohhalm war kein Leuchtturm in der Wüste, nur die Fata Morgana eines verzweifelten Zynikers.

Martin Halter in der FAZ vom 15.04.2011 über das Buch "Die große Verschwendung" von Wolfgang Schömel.

18:07 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 30.April 2011 15:59)
Kategorien: Literatur

Sonntag, 06.März 2011

Er kannte hundert Eichhörnchen persönlich

Sich forschend vom Hundertsten ins Tausendste bewegen
...
Ein lebenskluges Buch über die Poesie des Sammelns: Fredrik Sjöbergs faszinierender Essay rankt sich um das Leben von Gustaf Eisen, einem vergessenen Universalgenie, mit dem er die Welt entdeckt.

Michael Adrian in der FAZ vom 04.03.2011 über das Buch "Der Rosinenkönig" von Fredrik Sjöberg.

13:48 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 30.April 2011 16:02)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Montag, 21.Februar 2011

Eugen Sorg: Die Lust am Bösen

Eugen Sorg ist Kriegsreporter. Er sieht die Gewaltexzesse im zerfallenen Jugoslawien und stellt sich die Frage, warum wir uns ständig bemühen, dem Bösen den Stachel der Schuld zu ziehen. Weshalb gibt es für jeden Amoklauf, für jeden Mord, für jedes Attentat immer eine biographische oder gesellschaftspolitische Entschuldigung? Und in der Tat: Das triumphierende Grinsen von SS-Soldaten nach einem gerade vollbrachtem Massenmord, wie es auf Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen ist, gibt durchaus Grund zu der Annahme, dass das Böse im Menschen lediglich auf einen willkommenen Anlass wartet, hervorzubrechen - und also durchaus nicht einfach das Produkt einer zutiefst ungerechten Welt ist, die den Menschen erst böse macht.

Svenja Flaßpöhler in Deutschland Radio. Besprechung des Buchs Die Lust am Bösen von Eugen Sorg.

19:53 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 30.April 2011 16:02)
Kategorien: Literatur, Psychologie

Mittwoch, 22.Dezember 2010

Ästhetik des Bösen

Die Weltliteratur ist böse dran
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Nur die Kunst im Sinn? Das kann finster enden: Eine mächtige Studie erklärt, wie das Böse in die Literatur gerät. Trotz teuflischer Zitierwut ist Peter-André Alt ein beachtliches Werk über die Ästhetik des Bösen gelungen.

Artikel in der FAZ vom 02.10.2010 von Rolf Dähn.

18:20 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 30.April 2011 16:03)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Donnerstag, 28.Oktober 2010

Und wie schreiben Sie ?

Peter Handke
16:43 Uhr (Letzte Änderung: Donnerstag, 28.Oktober 2010 16:44)
Kategorien: Literatur

Dienstag, 31.August 2010

Der Himmel ist kein Ort

Roman von Dieter Wellershof im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
"Die kühle Prosa der Enttäuschung macht ihm derzeit in Deutschland keiner nach."
Andreas Kilb in der FAZ vom 09.10.2009.
19:31 Uhr (Letzte Änderung: Dienstag, 31.August 2010 19:45)
Kategorien: Literatur, Psychologie

Nichts, was man fürchten müsste

Roman von Julian Barnes im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
„Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn“, ist zum Beispiel so eine Idee von Julian und zugleich der erste Satz seines Buchs. „Sentimentaler Quatsch“, sagt Jonathan dazu. „Ich kann ja nachvollziehen, warum jemand so etwas sagt (setz für 'Götter' mal versuchsweise 'Dodos' oder 'Yetis' ein), aber ich für meinen Teil bin mit der Lage der Dinge ganz zufrieden.“
Tobias Rüther in der FAZ vom 03.04.2010.
19:07 Uhr (Letzte Änderung: Dienstag, 31.August 2010 19:45)
Kategorien: Literatur, Philosophie, Psychologie

Montag, 05.April 2010

Böse Schutzengel, doppelte Welten

Markus Gasser: "Das Königreich im Meer". Daniel Kehlmanns Geheimnis.

Besprechung in der FAZ.

11:39 Uhr (Letzte Änderung: Montag, 05.April 2010 11:39)
Kategorien: Literatur

Mittwoch, 17.März 2010

Frankfurter Buddha

Christoph Poschenrieder: Die Welt ist im Kopf

"Man hat es hier mit Temperamenten zu tun, die am Ende vielleicht gar nicht so verschieden waren; Schopenhauers Triebhaftigkeit ist spätestens seit Thomas Mann, ja schon seit Nietzsche ein Gemeinplatz seiner Wirkungsgeschichte. Poschenrieder kontrastiert sie auf spannungsfördernde Art: den misstrauischen Eckensteher aus Deutschland und den englischen Don Juan, den ein verwegener gesellschaftlicher Glanz umgibt. Dies bettet er ein in die damalige politische Situation: Venedig, das an Österreich gefallen war, barg Spitzel, die überall Verschwörung witterten und auch die beiden Geistesriesen deren verdächtigten (in Wirklichkeit wurde nur Byron observiert)".

Besprechnung in der FAZ.

17:40 Uhr (Letzte Änderung: Sonntag, 21.März 2010 22:17)
Kategorien: Literatur, Philosophie

Dienstag, 29.Dezember 2009

Dies ist die einzige Welt, die wir haben

Lars Gustafsson: „Frau Sorgedahls schöne weiße Arme“.
"Die Kehrseite der Medaille, oder dasselbe Glück, ist eine Art Zerstreutheit. Manchmal erschreckt mich die ungeheure Leichtigkeit, mit der ich aufbreche, mich von Menschen und Banden löse. Abschied nehme ohne Bedauern und ohne Freude. Wer Abschied nehmen kann, kann sich eigentlich nie langweilen. Aber es ist vielleicht ein bisschen schwer zu erklären, warum das so sein muss. Fünfzig Jahre lang hatte ich Frau Sorgedahl völlig vergessen. Ihre schönen weißen Arme, ihren Schoß, der sich füllte und feucht wurde, ihre Seufzer und ihre lauten, rehartigen Schreie, ihre starken Arme um meine jungen Hüften. Ihre langen roten Zöpfe, die manchmal in meinen Mund gerieten, auf die ich biss als würde ich sie nie mehr loslassen. Diese Frau Sorgedahl, die das Tor zum mehr Leben war, hatte ich ganz einfach vergessen. Wie konnte ich Frau Sorgedahl vergessen? Ich beherrsche also eine Kunst: behutsam alle Bande zu lösen".
Besprechungen in der FAZ und beim Perlentaucher.
20:15 Uhr (Letzte Änderung: Dienstag, 29.Dezember 2009 20:28)
Kategorien: Literatur

Sonntag, 15.November 2009

Vom Aufenthalt

„Sexus ohne Metaphysik ist die abscheulichste aller säkularisierter Herrlichkeit.“
Hubert Spiegel bespricht das Buch "Vom Aufenthalt" von Botho Strauss in der FAZ vom 13.11.2009
20:12 Uhr (Letzte Änderung: Dienstag, 29.Dezember 2009 20:29)
Kategorien: Literatur

Freitag, 16.Oktober 2009

Interessante Links

Jan Fleischhauer - Unter Linken, Henryk M. Broder - Die Achse des Guten

9:40 Uhr (Letzte Änderung: Mittwoch, 21.Oktober 2009 20:54)
Kategorien: Literatur, Politik

Samstag, 26.September 2009

Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen

Thomas Manns „Betrachtungen eines Unpolitischen“ sollen in diesem Herbst neu erscheinen. Die Streitbarkeit des Unpolitischen (FAZ)

19:37 Uhr (Letzte Änderung: Freitag, 16.Oktober 2009 9:37)
Kategorien: Literatur, Politik

Peter Henning: Die Ängstlichen

Neues Buch von Peter Henning: Die Ängstlichen. Kritik in der FAZ .

19:18 Uhr (Letzte Änderung: Samstag, 26.September 2009 19:27)
Kategorien: Literatur

Freitag, 11.September 2009

Ikonographie eines Präsidenten - Obama sitzt

Was ein Photo alles aussagen kann.
Eine eindrucksvolle Bildinterpretation von Peter Richter in der FAZ.
18:29 Uhr
Kategorien: Fotografieren, Literatur

Sibylle Berg: Der Mann schläft

Ein neues Buch von Sybille Berg. Besprechung in der FAZ.
18:24 Uhr (Letzte Änderung: Freitag, 11.September 2009 18:29)
Kategorien: Literatur